35 Jahre Arbeit und Leben Thüringen
35 Jahre Arbeit und Leben Thüringen – das ist eine Geschichte von Aufbau, Brüchen, Anpassung und konsequenter Weiterentwicklung politischer Bildung in einem sich ständig verändernden gesellschaftlichen Umfeld.
Gegründet im Jahr 1991, getragen von Volkshochschulen und Gewerkschaften, startete Arbeit und Leben Thüringen in einer Zeit des Umbruchs. Die ersten Jahre waren geprägt von klassischen Seminarangeboten der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung – in Thüringen, aber auch international. Schon früh wurde klar: Bildung endet nicht an Landesgrenzen. Internationale Projekte und europäische Kooperationen wurden schnell Teil der eigenen Praxis.
Mit dem Einstieg in die Projektförderung ab Mitte der 1990er Jahre begann eine neue Phase. Themen wie Qualifizierung, Arbeitsmarktintegration und insbesondere die Förderung von Frauen gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig öffnete sich der Träger für neue Zielgruppen. Anfang der 2000er Jahre rückte die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten stärker in den Fokus. Integrationsprojekte, internationale Begegnungen und interreligiöse Dialogformate zeigten: Politische Bildung wird konkret dort, wo gesellschaftliche Vielfalt gelebt wird.
Ein tiefer Einschnitt folgte Mitte der 2000er Jahre. Massive Kürzungen in der Erwachsenenbildung zwangen viele Träger zum Umdenken. Auch bei Arbeit und Leben Thüringen führte dies zu strukturellen Veränderungen. Gleichzeitig entstand daraus eine neue Stärke: der konsequente Aufbau eines projektbasierten Arbeitens. Diese Phase war nicht nur Krise, sondern auch Wendepunkt. Sie legte den Grundstein für viele der heutigen Arbeitsfelder.
In den folgenden Jahren entwickelte sich der Träger kontinuierlich weiter. Neue Themen kamen hinzu: Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Demokratiebildung, Arbeitswelt, Digitalisierung. Netzwerke wurden aufgebaut, Kooperationen gestärkt. Mit Formaten wie der Thüringer Betriebs- und Personalrätekonferenz oder der Ausbildung von Demokratieberater:innen wurde politische Bildung zunehmend in konkrete Lebens- und Arbeitskontexte übersetzt.
Spätestens mit der Corona-Pandemie zeigte sich die Anpassungsfähigkeit des Trägers erneut. Digitale Bildungsformate wurden nicht nur ergänzt, sondern systematisch weiterentwickelt. Projekte wie DIGQU oder später EBDigital machten deutlich, dass politische Bildung auch im digitalen Raum stattfinden muss – und kann.
Gleichzeitig blieb ein inhaltlicher roter Faden über all die Jahre erhalten: die Verbindung von historisch-politischer Bildung, gesellschaftlicher Analyse und konkreter Handlungskompetenz. Ob Ausstellungen zur Arbeiterbewegung, Projekte gegen Verschwörungserzählungen oder innovative Formate wie das interaktive Hörspiel „Unter Verdacht“ – immer ging es darum, Menschen zu befähigen, sich in gesellschaftliche Prozesse einzumischen.
Gemeinsam Feiern
Der 27. März 2026 markierte nun einen besonderen Moment in dieser Geschichte. Über 100 geladene Gäste kamen im Johannes-Lang-Haus in Erfurt zusammen, um gemeinsam zurückzublicken und nach vorn zu schauen. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bildung, Volkshochschulen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft trafen auf langjährige Wegbegleiter:innen, Kolleg:innen und Freund:innen des Trägers.
Der Nachmittag verband genau das, was Arbeit und Leben Thüringen seit 35 Jahren auszeichnet: Austausch, Reflexion und politische Diskussion. In einem Podiumsgespräch kamen unterschiedliche Perspektiven zusammen – von der Gründungsgeneration bis zur aktuellen pädagogischen Praxis. Es ging um Erfahrungen, Konflikte, Entwicklungen und die Frage, wie politische Bildung auch in Zukunft wirksam bleiben kann.
Ein besonderer Moment war die Verabschiedung von Uwe Roßbach, der den Träger über Jahrzehnte geprägt hat. Seine Arbeit steht exemplarisch für eine Generation, die politische Bildung in Thüringen aufgebaut, durch Krisen geführt und strategisch weiterentwickelt hat.
Gleichzeitig richtete sich der Blick bewusst nach vorn. Wie erreichen wir neue Zielgruppen? Wie reagieren wir auf gesellschaftliche Polarisierung? Welche Rolle spielt politische Bildung in einer sich wandelnden Arbeitswelt? - Diese Frage beantworteten unsere Gäste gemeinsam.
35 Jahre Arbeit und Leben Thüringen zeigen vor allem eines: Politische Bildung ist nie fertig. Sie reagiert auf gesellschaftliche Veränderungen – und gestaltet sie zugleich mit.